Ihren Namen hat diese Pädagogik von der Stadt Reggio Emilia, in der sie sich entwickeln konnte. Sie liegt in der Po-Ebene zwischen Bologna und Mailand und gehört zur Region Emilia-Romagna, einer der insgesamt 21 Regionen Italiens.
Eine neue Pädagogik entsteht
Den Ursprung der Reggio-Pädagogik findet man in der starken sozialistischen Bewegung in der Region im beginnenden 20.Jahrhundert. Im Jahre 1912 kam dies unter einem der ersten sozialistischen Bürgermeister Roversi zum Beispiel dadurch zum Ausdruck, dass der erste kommunale Kindergarten gegründet wurde.
Nachkriegszeit
Alleinerziehende Frauen wollten nach dem 2.Weltkrieg eine humanitäre Betreuung ihrer Kinder. Dieser selbst verwaltete Kindergarten sollte eine gesellschaftliche Aufgabe, eine Kommunikations- und Kooperationswerkstätte sein, wo nach dem Krieg und der Zerstörung Humanität und Gewaltfreiheit eine große Rolle spielten.
Frauen und Männer entdeckten bei der Beseitigung von Kriegstrümmern einen Panzer und verkauften die Einzelteile. Der Erlös des Geldes floss in den Bau eines Kindergartens in Villa Cella (früher Vorort von Reggio Emilia, heute ein Stadtteil) namens „XXV Aprile“ (Tag der Befreiung, Nationalfeiertag). Offiziell eröffnet wurde dieser Kindergarten im Jahre 1947. Er entwickelte sich bald zum Zentrum für Erwachsene und Kinder. Dieser Kindergarten besteht heute noch.
Scuola dell `ìnfanzia
Die deutliche Abwendung von den reinen Familienbezügen hin zu einer neuen pädagogischen Qualität der öffentlichen Einrichtungen zeigt sich schon in der abweichenden Namensgebung. Der reggianische Begriff „Scuola dell `ìnfanzia“ setzt die Betonung auf das Wort „Kleinkind“, um zu unterscheiden, dass es eine Einrichtung für Kinder ist, speziell für sie und nicht ein Ersatz für etwas anderes.

Reggio Emilia heute
Die Stadt Reggio Emilia, mit ihren ca. 130.000 Einwohnern, ist eine der reichsten Kommunen Italiens. Dadurch wird einerseits ein vielfältiges kulturelles Angebot ermöglicht, und zum anderen konnte ein breites Netz an Sozialleistungen ausgebaut werden.
Lebendige Weiterentwicklung
Die Erfahrungen in den Kindertageseinrichtungen in Reggio befinden sich in einem ununterbrochenen Entwicklungsprozess und sind seit Jahren lebendiger Bezugspunkt für ErzieherInnen, pädagogische BeraterInnen und WissenschaftlerInnen, für Verwaltung und Politik, für Kulturschaffende aus ganz Italien und anderen Teilen der Welt.
Die Kindergärten und Krippen von Reggio Emilia zeichnen sich durch die Modernität ihrer theoretischen Überlegungen und durch ihre enge Verbindung mit Wissenschaft und Forschung aus. Große Bedeutung wird der Umwelt als erzieherisches Element beigemessen (Bildung für Nachhaltigkeit), sowie dem Atelier, das künstlerische Auseinandersetzung im frühen Kindesalter ermöglicht.
Alle Beteiligten befinden sich in einem kontinuierlichen Weiterbildungsprozess. Besonders Augenmerk wird auf die kollegiale und aufeinander bezogene Arbeitsorganisation, die intensive, lebendige Beteiligung der Familien und BürgerInnen an der Führung der Einrichtungen sowie auf den regen Austausch mit den ortsansässigen Kulturbereichen gelegt.
Quelle: Monika Seyrl (VHS Brigittenau) |